Ein Sieg reicht nicht im Mannschaftswettbewerb
Ersatzgeschwächt, trotzdem hoffnungsvoll, reiste
die zweite Mannschaft des Schachvereins SC 51 Nordhausen nach Schlotheim,
um im Bezirksligaduell gegen den Tabellenletzten zu punkten.
Die gelungenen Eröffnungen und die guten Reaktionen unserer Spieler
mit den schwarzen Figuren ließen berechtigte Vorfreude aufkommen.
Hartmut Viererbe hatte sich akribisch auf seinen Gegner Dr. Sören
Hader vorbereitet und gewann am 2. Brett sensationell schon im 6.
Zug einen „Offizier“ und letztendlich auch die erste Partie
im Wettbewerb. Am Brett Nr.1 spielte Andreas Hüllenhagen sehr
ausgeglichen, er tauschte mit seinem Gegner die Figuren geschickt
aus, so dass jedem noch 2 Türme und 6 Bauern für ein sogenanntes
Turm-Endspiel blieben, welches sich bis zum erfolgreichen Ende schwierig
gestaltet. Man einigte sich auf das zu erwartende Remis, der SC51
führte mit 1,5 Punkten. Doch bald gab es lange Gesichter. Klaus
Göbel am Brett 4 hatte einen Mehrbauer, der nichts wert war und
verlor trotz anfänglich guter Stellung. Horst Stellmecke wollte
seine einstudierte Eröffnung, d4 verbunden mit 2 Bauernopfer,
unbedingt durchziehen (viele Gegner gingen mit dem zu erwartendem
Dameverlust Horst schon auf den Leim!) , sein Gegenüber reagierte
aber mit geschickten Ausweichmanövern bis er selbst seine Figuren
offensiv führen konnte .
Klaus Moritz reagierte am Brett 6 gut auf die italienische Eröffnungsvariante
seines Gegners. Es war eine offene Partie, beide Wettkämpfer
taktierten geschickt und sorgten wechselseitig für Gefahr in
„Königsnähe“. Aus mannschaftsdienlichen Gründen
lehnte Moritz im 38. Zug ein Remisangebot seines Gegners ab. Doch
keiner ließ sich provozieren, Fehler wurden nicht zugelassen
, die Stellungen blieben ausgeglichen. Somit musste doch der Punkt
geteilt werden, remis.
Die Hoffnung stirbt zu letzt, noch war alles drin, doch was kam dann
? Klaus Wauer, Brett 8, stand mit 3 Mehrbauern auf „Sieg“,
lässt dann aber seinen angegriffenen Läufer stehen und remisiert
prompt seine eigentlich gewonnene Partie.
Auch am Brett 3 fing alles für uns und Ralf Peter gut an, 2 Mehrbauern
und starkes Stellungsspiel mit Druck auf den Königsflügel
des Gegners , das Spiel ging in der Endspielphase trotzdem verloren.
Das spannendste Duell wurde am Brett 5 ausgetragen. Andreas Müller
„opferte“am Königsflügel des Gegners seinen
Läufer , lockte mit diesem Opfer des Gegners König aus der
sicheren Deckung und baute verheißungsvolle Mattdrohungen auf.
Sollte diese mutige und kühle Berechnung aufgehen ? Zunächst
galt für beide Spieler sich erst einmal über die erste Zeitnahme
(40 Züge in 2 Stunden ) zu retten, es liefen schon die letzten
Sekunden, gerade noch geschafft. Dramatischer konnte sich die Endspielphase
kaum entwickeln, Müller mit einer Figur weniger aber mit 2 Freibauern.
14:30 Uhr (Spielbeginn 09:00 Uhr!) , auf dem Brett standen noch 3
weiße Bauern (Müller) sowie 1Läufer und 1 Bauer für
schwarz, beide Könige mussten aktiv in die Geschehnisse eingreifen,
das Ende vom Lied „Remisstellung“. Die letzte Partie war
nur noch Ergebniskosmetik, aber spannend allemal. Schlotheim gewann
mit 5 : 3 Punkten. Fazit, ein Sieg reicht eben nicht in einem Mannschaftswettbewerb.
Klaus Moritz